Behandlungskonzept bei chronischen Schmerzerkrankungen

Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss können zur Rehabilitation aufgenommen werden. Bei kleinen Kindern ist die Aufnahme und Schulung einer Begleitperson Teil des Behandlungskonzepts.

Eine Indikation für eine stationäre medizinische Rehabilitation liegt dann vor, wenn die umfassende gesundheitliche und psychosoziale Beeinträchtigung durch die somatische Erkrankung und Symptomatik, bzw. durch das psychiatrische Störungsbild durch ambulante Maßnahmen und Unterstützung allein nicht mehr ausreichend beherrschbar ist.

Chronischer Schmerz ist charakterisiert u.a. durch einen prolongierten Verlauf, den Verlust seiner Warnfunktion für den Körper, der Verselbständigung als Symptom, das Risiko kontinuierlicher Zunahme, die Zunahme komorbider psychischer Faktoren.
Chronischer Schmerz, welcher Ursache auch immer, mündet in dieselbe Endstrecke der Symptomatik. Diese erfordert einen multimodalen Behandlungsweg unter Berücksichtigung aller bio-psycho-sozialen Entstehungsfaktoren.

Konkrete Aufnahmegründe bei chronischen Schmerzen können sein:

  • Anpassung der bisherigen Behandlungsmaßnahmen
  • Vernetzung mit weiterführenden Therapieprogrammen
  • Verbesserung der Selbststeuerung und der Eigen- und Fremdwahrnehmung
  • Behandlung der Begleiterkrankungen des jeweiligen Störungsbilds(z.B. Schlafstörungen, emotionale Störungen/Belastungsstörungen)
  • Unterstützung, Anleitung und Beratung der gesamten Familie bei der Verbesserung des Krankheitsmanagements und der Selbststeuerung
  • Überprüfung und Anpassung medikamentöser Behandlung
  • Unterstützung bezüglich krankheitsbegleitender schulischer Leistungsschwierigkeiten
  • Unterstützung der sozialen Integration (Peer group, Schule, Berufsfindung und -beratung)

Voraussetzung für die Rehabilitation chronischer Schmerzen ist, dass auch eine ausreichende Rehabilitationsfähigkeit, -motivation und -prognose beim betroffenen Kind oder Jugendlichen vorliegt. Der/die Betroffene muss eine Bereitschaft zur stationären Rehabilitation in der Gruppe mitbringen.

 

Ziel der Kinderrehabilitation in der Klinik Hochried ist, die Aktivität und vor allem Teilhabe der Kinder und Jugendlichen unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren nachhaltig zu verbessern. Als krankheitsunabhängige Rehabilitationsziele haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien zu unterstützen:

  • durch Entlastung während des stationären Aufenthalts
  • durch Hilfe beim Übertragen der Rehabilitationsziele in Alltagssituationen
  • durch Anleitung beim Umgang mit Krankheit oder Beeinträchtigung
  • durch Beratung, Aufklärung, Patientenschulung und Elternschulung

Als spezielle Therapieziele stehen bei der Rehabilitation chronischer Schmerzen im Vordergrund:

  • die Symptomreduktion durch Ergänzung und Intensivierung der bisherigen ambulanten Behandlung
  • gleichzeitige Reduktion von Komorbidität und Korrektur von Umweltfaktoren (z.B. bei psychisch erkrankten Elternteilen) zur Verbesserung des somatischen und psychiatrischen Risikoprofils
  • die Verbesserung oder Wiederherstellung der eingeschränkten Teilhabefähigkeit und Wiederherstellung des psychischen Gleichgewichts
  • Änderung der allgemeinen Lebensgewohnheiten (Selbstmanagement, Tagesstruktur, Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit, Krisenmanagement…) und Transfer des Gelernten in alltagsnaher Erprobung
  • die Integration des verbesserten Selbstmanagements und Gesundheitsverhaltens in den Alltag zuhause und in die Familie
  • Wiederherstellung der schulischen Leistungsfähigkeit und der schulischen Integration
  • die Beratung für eine spätere berufliche Tätigkeit bei der entsprechenden Altersgruppe
 

Die konkreten Rehabilitationsziele, die gerade bei Erkrankungen, die mit chronischen Schmerzen einhergehen, sehr unterschiedlich sein können, sollten bereits vor der stationären Aufnahme zwischen Kindern, Eltern und behandelndem Arzt besprochen und festgelegt werden. Sie werden bei Aufnahme noch einmal präzisiert, falls erforderlich nach gezielter Diagnostik ergänzt und in den regelmäßigen mindestens wöchentlichen Visiten im Behandlungsverlauf angepasst. Die Kinder und Jugendlichen mit chronischen Schmerzen werden in altershomogene, jedoch nicht diagnosespezifische Gruppen integriert.

 

Chronische Schmerzen werden unter anderem (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) mit den folgenden Diagnosen nach ICD beschrieben:

Spannungskopfschmerz: G44.2, Migräne: G43.0, HWS-Syndrom: M54.2, lumbaler Rückenschmerz: M54.5, Nackenschmerzen: M54.83; Cervicocephalgie: M53.0, Lumboischialgie: M51.2, M54.4; Beckenschiefstand: M21.79, Hyperlordose: M40.04, Kyphose der BWS: M40.04, Knieschmerzen: M25.56, juvenile PCP: M08.00, M06.95; chronische Bauchschmerzen R10.04; psychiatrische Diagnosen mit assoziierten Schmerzen: F32.2; F41.9, F43.1; F43.2; F45.41 (chronische Schmerzpatienten).

 

Grundsätzlich stehen den Kindern mit chronischen Schmerzen alle Fachbereiche der Klinik zur Verfügung (Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik, Therapie und Schule). Die Umsetzung der Behandlungsziele erfolgt in enger, interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Bereiche unter ärztlicher Leitung und fachärztlicher schmerztherapeutischer Supervision.

Konkret  werden bei der Behandlung der psychischen Störungen in der Therapie u.a. eingesetzt:

  • spezielle Verlaufsdiagnostik (spezielle Fragebögen, testpsychologische Diagnostik, Schulleistungstests, Therapiepläne)
  • Überprüfung und Anpassung evtl. Medikation
  • Rehabilitationspsychotherapie in der Kleingruppe nach Bedarf
  • Einzel-Psychotherapie bei Bedarf
  • PME nach Jacobsen, TENS, Akupunktur je nach Indikation
  • moderate Bewegungstherapie (inkl. Schwimmen)
  • Physiotherapie und physikalische Therapie bei Bedarf
  • Schule (in der Kleingruppe mit einzelförderung bei Bedarf), Patienten- und Elternberatung
  • Sozialberatung und Sozialtraining

Die detaillierten Therapiepläne sind im QM-System der Klinik abgelegt.

 

Die Schulung der Patienten und auch der begleitenden Eltern jüngerer, wie älterer Kinder ist ein wichtiger Behandlungsbaustein, der den nachhaltigen Erfolg der Rehabilitation verbessern soll. Es besteht Raum für die Einzelberatung der Eltern und Patienten. Die Behandlungsempfehlungen orientieren sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF.

 

Die Rückkehr in einen Schulalltag ohne Ängste und Belastungen ist für Kinder mit psychischen Störungen sehr wichtig. Ziel des Unterrichts in unserer großen Klinikschule ist es daher auch, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten. Die schulische Diagnostik und der Schulbericht an die Heimatschule helfen dabei. Die Kinder werden in kleinen Klassen und in einer Intensität von bis zu 20 Stunden pro Woche unterrichtet. Die Schule ist kontinuierlich in den Behandlungsverlauf einbezogen.

 

Trotz der Wohnortferne der bei uns aufgenommenen Kinder fühlen wir uns auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet. Dies kann in Folge individuell ungünstiger Umstände jedoch nicht selten nur eingeschränkt erreicht werden. Wir bemühen uns (nur bei ausdrücklicher Zustimmung der Eltern) um die Einbeziehung der Kinderärzte/ Hausärzte, ambulant tätigen Therapeuten und Herkunftsschulen und um die Vermittlung weiterer Hilfen, Beratungsstellen und Fachleute. Die Vernetzung von Therapie, Medikation und Umweltfaktoren (Schule, Familie...) fördert den Behandlungserfolg. Die Nachsorge spielt bei der Behandlung deshalb eine so wichtige Rolle, damit eine nachhaltige Stabilisierung erreicht werden kann.

 
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Allgemeines Behandlungskonzept

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Kontakt

Klinik Hochried
Zentrum für Kinder,
Jugendliche und Familien
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