Behandlungskonzept Adipositas

Das Behandlungskonzept orientiert sich am indikationsspezifischen Behandlungskonzept der Rentenversicherungsträger und den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften.

Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss können zur Rehabilitation aufgenommen werden. Bei kleinen Kindern ist die Aufnahme und Schulung einer Begleitperson Teil des Behandlungskonzepts.

Eine Indikation für eine stationäre medizinische Rehabilitation liegt dann vor, wenn die umfassende gesundheitliche und psychosoziale Beeinträchtigung durch die Erkrankung durch ambulante Maßnahmen und Unterstützung allein nicht mehr beherrschbar ist.

Konkrete Aufnahmegründe bei Adipositas können sein:

  • Ergänzung, Erweiterung und Anpassung der bisherigen Behandlungsmaßnahmen
  • Vorbereitung auf bzw. Vernetzung mit ambulanten Adipositas-Therapieprogrammen (wie z.B. „Odeldicks“)
  • Gewichtsabnahme (bei Übergewicht über 20% des Längensollgewichts) durch Änderung des Essverhaltens, Aufbau gesunden Ernährungsverhaltens, Förderung der Bewegungsfreude und Anpassung des Lebensstils (auch eine Adipositas ohne Komorbidität ist Rehabilitationsindikation)
  • Behandlung der somatischen und psychiatrischen Begleiterkrankungen der Adipositas (Hypertonie, Diabetes, emotionale Störungen…)
  • Unterstützung, Anleitung und Beratung der gesamten Familie bei der Intensivierung der Therapien und der Verbesserung des Krankheitsmanagements und der Selbststeuerung und beim Umgang mit den angewandten therapeutischen Verfahren (z.B. der Bewegungs-, Ernährungs- und Psychotherapie)
  • Ausgleich und Unterstützung bezüglich krankheitsbegleitender schulischer Leistungsschwierigkeiten
  • Unterstützung und Beratung bei der Verbesserung der sozialen Integration (Peer group, Schule, Berufsfindung und Berufshinführung und –beratung)
 

Als krankheitsunabhängige Rehabilitationsziele haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien zu unterstützen:

  • durch Entlastung von den aktuellen Belastungen und Beeinträchtigungen während des stationären Aufenthalts
  • durch Übertragen der Rehabilitationsziele in Alltagssituationen
  • durch Anleitung beim Umgang mit und dem Annehmen von (chronischer) Krankheit oder Beeinträchtigung
  • durch Beratung, Aufklärung, Patientenschulung und Elternschulung zur Erweiterung ihres Wissens und Verständnisses und nachhaltigen Verbesserung der persönlichen Situation.

Als spezielle Therapieziele stehen bei der Rehabilitation bei Adipositas im Vordergrund:

  • die Beschwerdebesserung durch Ergänzung und Intensivierung der bisherigen ambulanten Behandlung
  • Reduktion von Komorbidität zur Verbesserung des somatischen und psychiatrischen Risikoprofils
  • die Verbesserung oder Wiederherstellung der eingeschränkten Lebensqualität und Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit
  • Gewichtsabnahme, Änderung der Essgewohnheiten, Wiedererlangen von Bewegungsfreude, Änderung der allgemeinen Lebensgewohnheiten (Selbstmanagement, Tagesstruktur, Leistungsbereitschaft…)
  • die Anleitung zum optimalen Selbstmanagement der Erkrankung und Begleiterkrankungen; Verbesserung der Compliance
  • die Integration des verbesserten Selbstmanagements und Gesundheitsverhaltens in den Alltag und in die Familie
  • die Beratung für eine spätere berufliche Tätigkeit bei der entsprechenden Altersgruppe
 

Die konkreten Rehabilitationsziele sollten bereits vor der stationären Aufnahme zwischen Kindern, Eltern und behandelndem Arzt besprochen und festgelegt werden. Sie werden bei Aufnahme noch einmal präzisiert, falls erforderlich nach gezielter Diagnostik ergänzt und in den regelmäßigen Visiten im Behandlungsverlauf angepasst werden. Kinder und Jugendliche mit Adipositas werden in altershomogene und diagnosespezifische Gruppen integriert.

 

Grundsätzlich stehen den Kindern mit Adipositas alle Fachbereiche der Klinik zur Verfügung (Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik, Therapie und Schule). Die Umsetzung der Behandlungsziele erfolgt in enger, interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Bereiche unter ärztlicher Leitung.

Speziell bei Adipositas werden in der Therapie u.a. eingesetzt:

  • Verlaufsdiagnostik (Gewicht, Vitalparameter, Labor)
  • ärztliche Beratung und Begleitung
  • Bewegungstherapie, Ergometertraining, Psychomotorik
  • Sport mit z.B. Ausdauertraining, Gehtraining, Ausdauerschwimmen, Ballspielen, Wanderungen...
  • Physiotherapie beschwerdeorientiert
  • Psychotherapie in der Gruppe und beschwerdeorientiert
  • Ernährungstherapie mit Modulen z.B. zu allgemeiner Gesundheitsberatung, Ernährungsberatung (im Sinne „energiereduzierter Mischkost-Ernährung“) und Lehrküche
  • Schule, Patientenschulung und Elternschulung,
  • soziales Kompetenztraining / -interaktionstraining
  • Milieutraining (bei Bedarf spezifisch) in der Gruppe
  • Sozialberatung

Die detaillierten Therapiepläne sind im QM-System der Klinik abgelegt.

 

Die mehrtägige Adipositas-Schulung für Patienten und auch für die Eltern jüngerer, wie älterer Kinder ist ein zentraler Behandlungsbaustein, der den nachhaltigen Erfolg der Rehabilitation verbessern soll. Die Schulungen werden von zertifizierten Adipositastrainern geleitet und durchgeführt. Die Behandlungsempfehlungen orientieren sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF (Leitlinienregister Nr. 050/002 und 070/001) und der AGA bzw. KGAS.

 

Die Rückkehr in einen Schulalltag ohne Ängste und Belastungen ist für Kinder mit Adipositas sehr wichtig. Ziel des Unterrichts in unserer großen Klinikschule ist es daher auch, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten. Dies ist durch Unterricht in kleinen Klassen und in einer Intensität von bis zu 20 Stunden pro Woche möglich.

 

Trotz der Wohnortferne der bei uns aufgenommenen Kinder fühlen wir uns auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet. Dies kann in Folge individueller Umstände jedoch häufig nur eingeschränkt erreicht werden. Wir bemühen uns aber (bei Zustimmung der Eltern) in jedem Fall um die Einbeziehung der Kinderärzte/ Hausärzte, ambulant tätigen Therapeuten und die Vermittlung weiterer Hilfen, Beratungsstellen und Fachleute.

Nachsorge spielt bei der Behandlung der Adipositas eine besonders wichtige Rolle, um eine Gewichtsstabilisierung nach Gewichtsreduktion zu erhalten. In Übereinstimmung mit den aktuellen wissenschaftlich-medizinischen Erkenntnissen (Rieber N, et l. Adipositas 2010; 4: 115-124) sind die folgenden protektiven Faktoren Ziel unseres Behandlungskonzepts:

  • Vermittlung langfristiger ambulanter Therapieprogramme
  • Vermittlung und Anregung einer Lebensstiländerung der gesamten Familie
  • Vermittlung von Hilfen zur Verbesserung der psychosozialen Situation.
 
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Allgemeines Behandlungskonzept

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Klinik Hochried
Zentrum für Kinder,
Jugendliche und Familien
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