Behandlungskonzept Rheuma und Gelenkerkrankungen

Das Behandlungskonzept orientiert sich am indikationsspezifischen Behandlungskonzept der Rentenversicherungsträger und den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften.

Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss können zur Rehabilitation aufgenommen werden. Bei kleinen Kindern ist die Aufnahme und Schulung einer Begleitperson Teil des Behandlungskonzeptes.

Eine Indikation für eine stationäre medizinische Rehabilitation liegt dann vor, wenn die umfassende gesundheitliche und psychosoziale Beeinträchtigung durch die Erkrankung durch ambulante Maßnahmen und Unterstützung allein nicht mehr beherrschbar ist.

Konkrete Aufnahmegründe bei Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis können sein:

  • Ergänzung, Erweiterung und Anpassung der bisherigen ambulanten Behandlungsmaßnahmen
  • Unterstützung, Anleitung und Beratung der gesamten Familie bei der Intensivierung der Therapien und der Verbesserung des Krankheitsmanagements und der Selbststeuerung und beim Umgang mit den angewandten therapeutischen Verfahren (z. B. der Bewegungstherapie, Physiotherapie und Ergotherapie)
  • die Behandlung einer Haltungsschwäche im Zusammenhang mit anderen Grunderkrankungen
  • Fehlstellungen mit mehr als 5 % Achsabweichung nach Cobb oder begleitende angeborene Fehlbildungen der Bewegungsorgane
  • die symptomatische Therapie in folge von Erkrankungen aus dem entzündlich rheumatischen Formenkreis (insbesondere differenzierte Schmerztherapie)
  • die Mitbehandlung muskulärer Erkrankungen, die Stütz- und Bewegungsorgane betreffend, bei anderen Grunderkrankungen
  • der Ausgleich und die Unterstützung bezüglich krankheitsbegleitender schulischer Leistungsschwierigkeiten
  • Unterstützung und Beratung bei der Verbesserung der sozialen Integration (Peer Group, Schule, Berufsfindung und Berufshinführung und –beratung)
 

Als krankheitsunabhängige Rehabilitationsziele haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien zu unterstützen:

  • durch Entlastung von den aktuellen Beeinträchtigungen und Belastungen während des stationären Aufenthaltes
  • durch Übertragen der Rehabilitationsziele in Alltagssituationen
  • durch Anleitung beim Umgang mit und dem Annehmen von (chronischer) Krankheit oder Beeinträchtigung
  • durch Beratung, Aufklärung der Patienten und ihrer Eltern zur Erweiterung ihres Wissens und Verständnisses und nachhaltigen Verbesserung der persönlichen Situation

Als spezielle Therapieziele stehen bei der Rehabilitation von Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis im Vordergrund:

  • die Beschwerdebesserung durch Ergänzung und Intensivierung der bisherigen ambulanten und stationären Behandlung
  • langfristige Stabilisierung des Krankheitsbildes
  • die Reduktion von Komorbidität zur Verbesserung des Risikoprofils
  • die Verbesserung oder Wiederherstellung der eingeschränkten Lebensqualität und Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit
  • die Verbesserung von funktionsbezogenen Parametern wie Haltung (Statik), Beweglichkeit, Muskelkraft, Koordination, Mobilität, Ausdauer
  • die Kompensation von Funktionsstörungen in Folge Fehlstatik
  • die frühzeitige Berufsberatung zur Vermeidung einer ungeeigneten Berufswahl bei der entsprechenden Altersgruppe
 

Die konkreten Rehabilitationsziele sollten bereits vor der stationären Aufnahme zwischen Kindern, Eltern und behandelndem Arzt besprochen und festgelegt werden. Sie werden bei Aufnahme noch einmal präzisiert, falls erforderlich nach gezielter Diagnostik ergänzt und in den regelmäßigen Visiten im Behandlungsverlauf angepasst. Kinder und Jugendliche mit Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis werden in einer altersgemischten und diagnosegemischten Gruppe integriert und mit einem individuellen Therapieprogramm behandelt. Die Behandlung von Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane stellt keinen  Behandlungsschwerpunkt der Klinik dar. Patienten mit rheumatischen Erkrankungen und komplexen Begleiterkrankungen werden jedoch in Einzelfällen zur stationären Rehabilitation aufgenommen und individuell behandelt. Die Integration der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Gruppen von Betroffenen mit anderen Erkrankungen hat sich bewährt, um einen auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen abgestimmten individuellen Therapieplan zu entwickeln. Eine z.B. postoperative Behandlung als Anschlussheilbehandlung ist in der Klinik möglich.

 

Grundsätzlich stehen den Kindern mit Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis alle Fachbereiche der Klinik zur Verfügung (Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik, Therapie und Schule).

Die Umsetzung der Behandlungsziele erfolgt in enger, interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Bereiche unter ärztlicher Leitung.

Speziell bei Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis werden in der Therapie u.a. eingesetzt:

  • Verlaufsdiagnostik (unter Einbeziehung von Kooperationspartnern)
  • Bewegungstherapie, Psychomotorik
  • Sport (mit z. B. Gehtraining, Schwimmen, Wanderungen, …)
  • Physiotherapie (mit den folgenden möglichen Verfahren: neurophysiologische Therapie nach Bobath, manuelle Lymphdrainage, Bewegungsbad, Elektrotherapie, therapeutisches Klettern, Atemtherapie, …)
  • Einweisung in Hilfsmittel
  • physikalische Therapie
  • Ergotherapie (einschließlich CIMT) mit Förderung der Fein- und Graphomotorik
  • Psychotherapie in der Gruppe und bei Bedarf
  • Milieutraining
  • Sozialberatung

Die detaillierten Therapiepläne sind im QM-System der Klinik abgelegt.

 

Bei Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis wird keine Gruppenschulung durchgeführt. Aufgrund der Heterogenität der Krankheitsbilder erfolgt eine individuelle Beratung der betroffenen Familien. Die Behandlungsempfehlungen orientieren sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF.

 

Die Rückkehr in einen Schulalltag ohne Ängste und Belastungen ist für Kinder mit Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis sehr wichtig. Ziel des Unterrichts in unserer großen Klinikschule ist es daher auch, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten. Dies ist durch Unterricht in kleinen Klassen und in einer Intensität von bis zu 20 Stunden pro Woche möglich.

 

Trotz der Wohnortferne der bei uns aufgenommenen Kinder fühlen wir uns auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet. Wir bemühen uns  (bei Zustimmung der Eltern) in jedem Fall um die Einbeziehung der Kinderärzte/ Hausärzte/ Fachärzte, ambulant tätigen Therapeuten bei der Vermittlung weiterer Hilfen, Beratungsstellen und Fachleute. Bei der Behandlung von Kindern mit Gelenkerkrankungen und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis arbeiten wir mit der Rheumakinderklinik Garmisch-Partenkirchen, sowie der Spezialambulanz für Kinderrheumatologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München zusammen.

 
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Allgemeines Behandlungskonzept

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Klinik Hochried
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Jugendliche und Familien
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