Behandlungskonzept Hauterkrankungen/ Neurodermitis

Das Behandlungskonzept orientiert sich am indikationsspezifischen Behandlungskonzept der Rentenversicherungsträger und den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften. Die Behandlung weiterer, auch seltener Hauterkrankungen ist möglich und an dieses Behandlungskonzept angelehnt.

Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss können zur Rehabilitation aufgenommen werden. Bei den vorwiegend kleineren Kindern ist die Aufnahme und Schulung einer Begleitperson Teil des Behandlungskonzepts.

Eine Indikation für eine stationäre medizinische Rehabilitation liegt dann vor, wenn die umfassende gesundheitliche und psychosoziale Beeinträchtigung durch die Erkrankung durch ambulante Maßnahmen und Unterstützung nicht mehr beherrschbar ist.

Konkrete Aufnahmegründe bei Neurodermitis können sein:

  • Ergänzung, Erweiterung und Anpassung der bisherigen Behandlungsmaßnahmen (bei mangelnder Besserung des Hautzustands unter ambulanter Therapie)
  • reduzierte Lebensqualität durch chronische Ekzemschübe, starken Juckreiz, Schlafstörungen
  • sozialer Rückzug in Folge der Stigmatisierung durch die Ekzeme
  • Beeinträchtigung der familiären Interaktion
  • Behandlung der psychiatrischen Begleiterkrankungen der Neurodermitis (, schulbezogene Störungen, emotionale Störungen…)
  • Unterstützung, Anleitung und Beratung beim Krankheitsmanagement und beim Umgang mit therapeutischen Verfahren (z.B. Medikation, Hautpflege, Ernährung)
  • Ausgleich und Unterstützung bezüglich eventueller, krankheitsbegleitender schulischer Leistungsschwierigkeiten
  • Unterstützung und Beratung bei der Verbesserung der sozialen Integration
 

Als krankheitsunabhängige Rehabilitationsziele haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien zu unterstützen:

  • durch Entlastung von den aktuellen Belastungen und Beeinträchtigungen während des stationären Aufenthalts
  • durch Übertragen der Rehabilitationsziele in Alltagssituationen
  • durch Anleitung beim Umgang mit und dem Annehmen von (chronischer) Krankheit oder Beeinträchtigung
  • durch Beratung, Aufklärung, Patientenschulung und Elternschulung zur Erweiterung ihres Wissens und Verständnisses und nachhaltigen Verbesserung der persönlichen Situation.

Als spezielle Therapieziele stehen bei der Rehabilitation bei Neurodermitis im Vordergrund:

  • die Beschwerdebesserung (der Hauterscheinungen) durch Ergänzung und Intensivierung der bisherigen ambulanten Behandlung, Erkennen von auslösenden Faktoren
  • Vervollständigung der für die Therapieplanung erforderlichen (allergologischen) Diagnostik
  • konkrete Verbesserung des Hautbefundes durch Pflege, Ernährung und bei Bedarf Medikation oder physikalische Verfahren
  • die Verbesserung oder Wiederherstellung der eingeschränkten Lebensqualität und Wiederherstellung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit
  • die Anleitung zur Krankheitsverarbeitung und zum optimalen Selbstmanagement der chronischen Erkrankung und Begleiterkrankungen; Verbesserung der Compliance
  • bei Jugendlichen Verbesserung der sozialen Kompetenz
  • die Beratung für eine spätere berufliche Tätigkeit bei der entsprechenden Altersgruppe
 

Die konkreten Rehabilitationsziele sollten bereits vor der stationären Aufnahme zwischen Kindern, Eltern und behandelndem Arzt besprochen und festgelegt werden. Sie werden bei Aufnahme noch einmal präzisiert, falls erforderlich nach gezielter Diagnostik ergänzt und in den regelmäßigen Visiten im Behandlungsverlauf angepasst werden. Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis werden in altershomogene Gruppen integriert. Es werden indikationsspezifische, altershomogene Patientenpools gebildet, sodass es zu geringen Wartezeiten bis zur Aufnahme kommen kann.

 

Grundsätzlich stehen den Kindern mit Neurodermitis alle Fachbereiche der Klinik zur Verfügung (Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik, Therapie und Schule). Die Umsetzung der Behandlungsziele erfolgt in enger, interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Bereiche unter ärztlicher Leitung.

Speziell bei Neurodermitis werden in der Therapie u.a. eingesetzt:

  • Verlaufsdiagnostik (SCORAD, Allergiediagnostik, Provokationstests, Diäten)
  • Lokaltherapie als bedarfsgesteuerte Stufentherapie nach Leitlinien
  • Erlernen der Anwendung der Lokaltherapeutika (Eincremen)
  • Bäder, UV-Therapie (in Einzelfällen)
  • Bewegungstherapie, Psychomotorik, Sport
  • Physiotherapie und Ergotherapie bei Bedarf (Entspannung, Körperwahrnehmung)
  • Psychotherapie bei Bedarf; Entspannungsverfahren
  • Ernährungstherapie mit Modulen z.B. zu allgemeiner Gesundheitsberatung, Ernährungsberatung und Lehrküche; bei Bedarf Nahrungsmittelprovokationen
  • Schule, Patientenschulung und Elternschulung durch zertifizierte Neurodermitistrainer

Die detaillierten Therapiepläne sind im QM-System der Klinik abgelegt.

 

Die mehrtägige Neurodermitis-Schulung für Patienten und auch für die Eltern jüngerer Kinder ist ein zentraler Behandlungsbaustein, der den nachhaltigen Erfolg der Rehabilitation verbessern soll. Die Schulungen werden von zertifizierten Neurodermitistrainern geleitet und durchgeführt. Die Behandlungsempfehlungen orientieren sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF (Leitlinienregister Nr. 070/005 und 013/026-027) und der GPA.

 

Die Rückkehr in einen Schulalltag ohne Ängste und Belastungen ist für Kinder mit Neurodermitis sehr wichtig. Ziel des Unterrichts in unserer großen Klinikschule ist es daher auch, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten. Dies ist durch Unterricht in kleinen Klassen und in einer Intensität von bis zu 20 Stunden pro Woche möglich.

 

Trotz der Wohnortferne der bei uns aufgenommenen Kinder fühlen wir uns auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet. Dies kann in Folge individueller Umstände jedoch häufig nur eingeschränkt erreicht werden. Wir bemühen uns aber (bei Zustimmung der Eltern) in jedem Fall um die Einbeziehung der Kinderärzte/ Hausärzte, ambulant tätigen Therapeuten und die Vermittlung weiterer Hilfen, Beratungsstellen und Fachleute.

 
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Allgemeines Behandlungskonzept

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Klinik Hochried
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Jugendliche und Familien
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