Behandlungskonzept bei Ernährungsproblemen und Mangelernährung

Kinder vom Kleinkindalter bis zum Schulabschluss können zur Rehabilitation aufgenommen werden. Bei den zumeist kleinen Kindern ist die Aufnahme und Schulung einer Begleitperson Teil des Behandlungskonzepts.

Eine Indikation für eine stationäre medizinische Rehabilitation liegt dann vor, wenn die umfassende gesundheitliche und psychosoziale Beeinträchtigung durch die Erkrankung durch ambulante Maßnahmen und Unterstützung allein nicht mehr beherrschbar ist.

Die aktuelle Beeinträchtigung der Familie und des Kindes kann infolge der Mangelernährung sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Bandbreite kann sich von einseitigem Essverhalten akuter Gesundheit des hin zu schweren Schluckstörungen (häufig bei neurologischen Grunderkrankungen) mit deutlicher Mangelernährung oder psychosomatischen Störungsbildern erstrecken. Daher benötigen diese Patienten ein individuelles interdisziplinäres Behandlungsprogramm unter Einbeziehung von Ärzten, Psychologen, Ernährungstherapeuten und Logopäden. Zusätzliche weitere Regulationsstörungen (wie Schlafstörungen oder exzessives Schreien) sind nicht selten. Aufgrund der hohen Erfahrung und Ausstattung unserer Diätküche und Ernährungsberatung, sowie der zur Verfügung stehenden medizinischen Ausstattung (z.B. EKG, Sonographie, Labor …) ist eine Rehabilitation bei dieser Symptomatik grundsätzlich möglich. Es kann sinnvoll und hilfreich sein, bei dieser Erkrankungsgruppe die konkreten Rehabilitationsziele und speziellen Bedürfnisse der betroffenen Patienten vor der Rehabilitation mit der Klinik abzustimmen. Konkrete Aufnahmegründe bei Regulationsstörungen und Mangelernährung können sein:

  • Ergänzung, Erweiterung oder Anpassung der bisherigen Behandlungsmaßnahmen und Diagnostik
  • Reflexion der bisherigen und aktuellen Behandlungsmaßnahmen im interdisziplinären Team
  • Unterstützung und Begleitung bei der Verbesserung der sozialen Integration
  • Unterstützung, Anleitung und Beratung der gesamten Familie bei der Intensivierung der Therapien und Verbesserung des Krankheitsmanagements der Selbststeuerung und beim Umgang mit den therapeutischen Verfahren.
  • Behandlung vor allem auch psychischer Begleiterkrankungen der Erkrankung
  • Intensive Ernährungsberatung und Ernährungsschulung und Förderung und Verbesserung und Anpassung des Lebensstils
  • Begleitung und Beratung bei der Anpassung medikamentöser Therapien
 

Als krankheitsunabhängige Rehabilitationsziele haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die Kinder, Jugendlichen und ihre Familien zu unterstützen:

  • durch Entlastung von den aktuellen Belastungen und Beeinträchtigungen während des stationären Aufenthalts
  • durch Übertragen der Rehabilitationsziele in Alltagssituationen
  • durch Anleitung beim Umgang mit und dem Annehmen von (chronischer) Krankheit oder Beeinträchtigung
  • durch Beratung, Aufklärung, Patientenschulung und Elternschulung zur Erweiterung ihres Wissens und Verständnisses und nachhaltigen Verbesserung der persönlichen Situation.

Als spezielle Therapieziele stehen bei der Rehabilitation bei Regulationsstörungen und Mangelernährung im Vordergrund:

  • Beschwerdebesserung durch Ergänzung in Intensivierung der bisherigen ambulanten Behandlung
  • Optimierung sowohl der symptomatischen als auch der diagnosespezifischen Therapie (z.B. zur Verbesserung der Mundmotorik, der Zusammenstellung der Nahrungsmittel…)
  • Reduktion von Komorbidität (z.B. Inkontinenz, Entleerungsstörungen, somatische und psychische Begleiterkrankungen)
  • Verbesserung oder Wiederherstellung der eingeschränkten Lebensqualität und Wiederherstellung, bzw. Verbesserung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit
  • Beratung und Begleitung bei der Stabilisierung von Essgewohnheiten, adäquater körperlicher Aktivität und Alltagsgestaltung
  • Integration des verbesserten Selbstmanagements und Gesundheitsverhaltens in den Alltag der Familie
 

Die konkreten Rehabilitationsziele sollten bereits vor der stationären Aufnahme zwischen Kindern, Eltern und behandelndem Arzt besprochen und festgelegt werden. Sie werden bei Aufnahme noch einmal präzisiert, falls erforderlich nach gezielter Diagnostik ergänzt und in den regelmäßigen Visiten im Behandlungsverlauf angepasst werden. Kinder und Jugendlichen mit Regulationsstörungen Mangelernährung werden in altersgemischte und diagnosegemischte Gruppen integriert. Das Therapieprogramm wird den individuellen Zielen für die betroffenen Patienten angepasst.

 

Grundsätzlich stehen den Kindern mit chronischen Darmerkrankungen alle Fachbereiche der Klinik zur Verfügung (Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialpädagogik, Therapie und Schule). Die Umsetzung der Behandlungsziele erfolgt in enger, interdisziplinärer Zusammenarbeit aller Bereiche unter ärztlicher Leitung.

Speziell bei Regulationsstörungen und Mangelernährung werden in der Therapie und Rehabilitation unter anderem eingesetzt:

  • Verlaufsdiagnostik bei Bedarf (Vitalparameter, Labor, Sonographie …)
  • Bewegungstherapeutische Verfahren
  • Logopädie; Förderung nach Castillo-Morales
  • Physiotherapie bei Bedarf
  • Psychotherapie bei Bedarf
  • Ernährungstherapie und Ernährungsberatung einschließlich Modulen zur allgemeinen Gesundheitsberatung, Lehrküche
  • Schule, Elternberatung und Patientenberatung
  • Soziales Kompetenztraining
  • Sozialberatung
 

Für Patienten mit Regulationsstörungen und Mangelernährung, die auf einer diagnosegemischten Station behandelt werden, wird keine Patientenschulung in der Gruppe angeboten. Es findet jedoch eine intensive, ärztliche geleitete Beratung der Patienten und ihrer Familien am individuellen Einzelfall orientiert statt. Die Behandlungsempfehlungen orientieren sich an den aktuellen medizinischen Leitlinien der AWMF. Bei Bedarf wird die Klinik durch die Experten der Abteilung Gastroenterologie und der Abteilung Neuropädiatrie des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der LMU München beraten.

 

Die Rückkehr in einen Schulalltag ohne Ängste und Belastungen ist für die älteren Kinder mit Mangelernährung sehr wichtig. Ziel des Unterrichts in unserer großen Klinikschule ist es daher auch, die Kinder und Jugendlichen nach einer Phase der Entlastung beim Aufholen von Versäumtem zu unterstützen und die Reintegration in den schulischen Alltag zuhause vorzubereiten. Dies ist durch Unterricht in kleinen Klassen und in einer Intensität von bis zu 20 Stunden pro Woche möglich.

 

Trotz der Wohnortferne der bei uns aufgenommenen Kinder fühlen wir uns auch der ambulanten Nachsorge nach der stationären Rehabilitation verpflichtet. Wir bemühen uns (bei Zustimmung der Eltern) in jedem Fall um die Einbeziehung der Kinderärzte/ Hausärzte, ambulant tätigen Therapeuten und die Vermittlung weiterer Hilfen, Beratungsstellen und Fachleute.

 
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Allgemeines Behandlungskonzept

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Klinik Hochried
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Jugendliche und Familien
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