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James LoebDr. Wolfgang Burgmair und PD Dr. Matthias M. Weber, München
" ... dass er sich nirgends wohler fühle als in Murnau ... " -
James Loeb als Förderer der Wissenschaft und philanthropischer Mäzen - mehr »
Dr. Hermann Mayer, Murnau; Prof. Zeph Stewart, Harvard; PD Dr. Vinzenz Brinkmann, München
Wie allgemein bekannt ist, hatte Loeb beste finanzielle Voraussetzungen, dennoch nutzte er dieses Vermögen nicht nur zu seinem eigenen Vorteil, sondern legte damit den Grundstein für viele Stiftungen, Schenkungen und Initiativen, die heute noch Bestand haben. Besonders Murnau wurde dabei in vielfältiger Weise bedacht - mehr »
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website jamesloeb.de
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Kunstsammler und Mäzen
Als sich der amerikanische Bankier James Loeb 1905 entschloss, nach Europa – nach München und später nach Murnau – zu gehen, hatte dies – wie schon in New York und Boston – auch in München und Murnau ein fruchtbares Wirken in kunsthistorischer und sozialer Hinsicht zur Folge.
Loeb war Sohn eines deutschstämmigen jüdischen Bankiers aus New York, der bis 1867 in Cincinnati gelebt hatte. Er folgte nach ungeliebter Tätigkeit bis 1902 als Bankier seinen musischen Neigungen und kunsthistorischen Interessen und nutzte seinen großen finanziellen Reichtum zu vielseitiger sozialer Wohltätigkeit. An klassischer Musik interessiert und verschiedene Instrumente beherrschend, pflegte Loeb zum Beispiel den Kontakt mit Richard Strauß oder Max Reger und spielte Cello im Musikquartett.
1911 – zur gleichen Zeit erfolgte in Murnau die bahnbrechenden Arbeiten Kandinskys, Münters, Marcs und Mackes zum Almanach "Der Blaue Reiter" – ließ Loeb ein Anwesen in Hochried bei Murnau bauen, wohin er schon seit 1907 zu Kuraufenthalten gekommen war.
Seit 1912 lebte Loeb auch in Murnau und widmete sich seiner bedeutenden Kunstsammlung. Die Sammlung Loeb war umfangreich und hatte eine vielfältige Struktur: sie bestand aus archaischen Werken, griechischen Terrakottafiguren, hellenistischen und südrussischen Goldschmuck, antiken Gläsern sowie ägyptischen, römischen, hellenistischen und etruskischen Bronzen, darunter so berühmte Werke wie der "Poseidon Loeb" und die "Loebschen Dreifüße".
Eine ebenso bedeutende – zunächst wegen ihres Pocket-Formats belächelte – Leistung war die Herausgabe der Werke griechischer und lateinischer Dichter und Schriftsteller der klassischen Antike in Originalsprache und englischer Übersetzung, die "Loeb Classical Library". 1912 von ihm begründet und fortlaufend gefördert, erschienen zu seinen Lebzeiten bereits 360 Bände. Dieses Projekt war so gut konzipiert und finanziell ausgestattet, dass es auch heute weitergeführt werden kann und inzwischen fast 500 Bände umfasst.
Loeb hatte durch sein großes Vermögen nicht nur die Möglichkeit, sondern er sah es auch als Verpflichtung an, weitreichende soziale Unterstützung zu leisten. So stiftete und förderte er nicht nur in den USA zahlreiche Bildungs- und soziale Einrichtungen (z.B. die Harvard University), er förderte auch in ungewöhnlich großzügiger Weise z.B. in München die „Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie“ (heute Max-Planck-Institut für Psychiatrie) und stiftete das erste Münchner Studentinnenheim „Maria Antonie-Haus“. In Murnau spendete er großzügig an zahlreiche Hilfsbedürftige und finanzierte neben vielen kleineren Projekten z.B. 1932 vollständig das Gemeindekrankenhaus. Sein vielfältiges soziales Engagement geschah ohne großes Aufsehen und, nach jüdischer Tradition, aus selbstverständlicher sozialer Verpflichtung heraus. Als Kunst-Mäzen stiftete er seine Kunstsammlung z. T. schon zu Lebzeiten dem damaligen „Museum Antiker Kleinkunst“ in der Alten Pinakothek, München, (heute Staatliche Antikensammlungen).
In seinem weitläufigen, von seinem Münchner Freund und Architekten Carl Sattler gebauten Anwesen in Murnau-Hochried führte Loeb ein zurückgezogenes Leben und pflegte nur mit wenigen Freunden und seinen Verwandten Kontakt, vor allem mit der Hamburger Bankiersfamilie Warburg. Der bedeutende Kunsthistoriker Aby Warburg (1866 – 1929), zweifach mit ihm verschwägert, war Loeb nicht nur im Wesen und in seiner Biographie, sondern auch mit seinen kulturellen Vorlieben verwandt. Beide verehrten die deutsche Kultur; hatten kunsthistorische Interessen und waren leidenschaftliche Sammler: Loeb baute eine Kunstsammlung und eine zugehörige Bibliothek sowie seine „Classical Library“ auf, Warburg befasste sich insbesondere mit kunsttheoretischen Untersuchungen z.B. zu Ikonologie und zur kunsthistorischen Methodik und baute – Loeb vergleichbar – seit 1900 eine seinen Forschungen entsprechende (heute in London bestehende) kulturhistorische Bibliothek auf.
Bescheidenheit und Zurückhaltung Loebs machen es notwendig, auf seine bedeutenden Leistungen im kunsthistorischen Bereich und seine segenreiche und beispielhafte Förderung auf sozialem Gebiet ins Bewusstsein zu rücken und sie auch in Murnau besonders deutlich zu würdigen.
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