Jahresbericht

Vorwort der Klinikleitung

Dr. Hermann Mayer

Nicht erst seit dem 13. Kinder und Jugendbericht für die Bundesregierung (2008/2009) wird klar, wie sich gerade für Kinder und Jugendliche die Bedingungen, in denen sie aufwachsen, in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verändert haben. In allen Altersgruppen, bei beiden Geschlechtern, in allen Schichten und in allen Nationen zunehmenden Wohlstands nehmen seelische Erkrankungen zu und besitzen ein Besorgnis erregendes Ausmaß.

Pro Jahr werden in Deutschland ca. 700.000 Kinder geboren, ca. jedes fünfte Kind, d.h. ca. 140.000 Kinder pro Geburtsjahrgang wachsen mit erheblichen psychosozialen Belastungen auf. (Rosenbrock Dez. 2008).

Zum anderen ist bei Heranwachsenden eine Verschiebung von den somatischen Erkrankungen zu psychischen Auffälligkeiten zu beobachten. Entwicklungsstörungen (z.B. Sprachentwicklungsstörungen, Schulprobleme), emotionale Störungen (z.B. depressive und Angststörungen etc.) sowie Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Aufmerksamkeitsstörungen, Gewaltbereitschaft, Alkohol- und Drogenmissbrauch etc.) stellen zunehmend eine Herausforderung für Eltern, Erzieherinnen und Lehrer dar.

Die steigenden Zahlen von Kindern, die von psychischen Störungen betroffen sind, erfordern neue Wege in Prävention, Kuration und Rehabilitation in der kinder- und jugendpsychiatrischen, psychotherapeutischen und -somatischen Versorgung. Nach den neuesten repräsentativen Erhebungen in Deutschland durch das Robert-Koch-Institut (KIGGS-Survey; www.kiggs.de) leiden ca. 6 % aller Kinder unter 18 Jahren unter einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung; weitere 22 % leiden unter psychischen Auffälligkeiten. Die epidemiologischen Studien zeigen zudem einen Anstieg der kinderpsychiatrischen Morbidität.

Die Ursache dieser Problemlagen liegt nach unserer Meinung, in zwei gesellschaftlichen Entwicklungen:

1. die Belastung des Einzelnen durch individuellen und gesellschaftlichen Stress wie zum Beispiel permanent steigende Leistungsanforderungen, Informationsüberflutung, seelische Verletzungen, berufliche und persönliche Überforderungen, Konsumverführungen usw. nehmen stetig zu,

2. durch familiäre Zerfallsprozesse, berufliche Mobilität, zunehmende virtuelle Beziehungen, häufige Trennungen und Scheidungen kommt es zu einer Abnahme tragfähiger sozialer Bindungen.

Diese Untersuchungen und die Erfahrungen mit Patienten bundesweit und regional, die an der Klinik Hochried versorgt werden, macht nicht nur nachdenklich, sondern erfordert dringend ein gemeinsames Handeln aller an der Betreuung von Kindern und Jugendlichen beteiligten Fachinstitutionen und Personen.

Die Klinik Hochried hat dazu für den regionalen und überregionalen Bereich ein Versorgungsnetzwerk mit Kinder- und Jugendmedizinischer Praxis (MVZ), Tagesklinik, Ambulanz, einem Therapie- und Förderzentrum (auch für die umliegenden 3 Landkreise) aufgebaut, das in wachsendem Ausmaß in Anspruch genommen wird. Derzeit werden circa 500-600 Kinder und Jugendliche pro Woche an der Klinik in ambulanten, teilstationären und stationären Einrichtungen versorgt.

Ende des Jahres hat die Klinik, die in Trägerschaft der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg steht, zusätzlich Akutbetten in der Kinder und Jugendpsychiatrie über einen Versorgungsvertrag mit der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen in Bayern erhalten, der Mitte Oktober 2010 auch im bayerischen Gesundheitsministerium genehmigt wurde. Auf 2 Stationen mit jeweils 8 Kindern oder Jugendlichen wird ein interdisziplinäres Team diese Patienten über einen längeren Zeitraum versorgen. Die dazu notwendigen Umbauten werden entsprechend den Bedürfnissen dieser Kinder von der Klinik geplant. Ein Architekturbüro ist derzeit dabei, die gesamte Klinik in ihrem Bestand zu erfassen, um die jeweiligen Fachabteilungen der Klinik so zu gestalten, dass sie mit den neuen Akutstationen optimal zusammenarbeiten können. Die ersten Kinder und Jugendlichen können vermutlich im Juni/Juli 2011 aufgenommen werden.

Einmalig in Bayern, vermutlich auch in Deutschland ist, dass unter einem Dach Akutklinik, Tagesklinik, Ambulanz, Rehabilitation, eine Praxis für Kinder und Jugendmedizin (MVZ), ein Therapie- und Förderzentrum und schulische Einrichtungen zusammenarbeiten. Der Benefit für die Patienten ist offensichtlich: kurze Wege, rasche Übergänge, ein Bezugstherapeutensystem, das den Kindern und Jugendlichen Vertrauen und Sicherheit gibt. In allen Bereichen ist die Einbindung der Familie gewährleistet und schafft so den Übergang in das tägliche Leben. Abstimmungen zwischen den einzelnen Kostenträgern können zeitnah und effektiv geführt.

Die Genehmigung der Akutbetten für die Region sieht die Klinik Hochried als letzten, wesentlichen Baustein zur endgültigen Etablierung eines Zentrums für Kinder, Jugendliche und Familien in der Region Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und darüber hinaus.

Unabhängig von den therapeutischen Versorgungsmöglichkeiten ist ein Nachdenken

über die Entwicklung in unserer Gesellschaft speziell für Kinder und Jugendliche in allen Institutionen, vor allem politischen Institutionen notwendig, um Veränderungen einzuleiten, deren Wirkung erst in Jahren ersichtlich sein wird. Nicht akut therapeutische Behandlung und Rehabilitation stehen da im Vordergrund, sondern umfassende Angebote zur Prävention und Aufklärung, wie das gesunde Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen befördert werden kann. Erster Ansprechpartner für diese Aufklärung ist in jedem Fall die Familie, in der das Kind aufwächst, deshalb sind Angebote der Familienbildung wesentlich. Die Klinik Hochried plant neben den umfangreichen und kostenlosen Fortbildungen für die Kindergärten und Schulen der Region im kommenden Jahr auch entsprechende Veranstaltungen für die Eltern. In gleicher Weise sehen wir die Elternschulungen in der stationären medizinischen Rehabilitation, die durch Mitaufnahme eines Elternteils die Aktivität und Teilhabe des Kindes zu Hause sicherstellen soll.

Der jetzt vorliegende Jahresbericht dient der Information von Kindern, Jugendlichen, Eltern, Fachleuten und Kostenträgern, die mit der Klinik zusammenarbeiten. Detailierte Informationen (z.B. zu den Konzepten für die Indikationsbereiche) erhalten Sie auf unserer Homepage unter: www.klinikhochried.de. Statistische Daten werden im Reviewbericht der Klinik veröffentlicht.

Am Ende des Jahres bedanke ich mich bei allen Mitarbeitern der Klinik für die engagierte Arbeit und den Kostenträgern und Kooperationspartnern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Zugleich darf ich Herrn Dr. Stephan Springer vorstellen, der ab Ende 2011 mein Nachfolger sein wird. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und besitzt die Schwerpunktbezeichnung „Neuropädiatrie“. Mitte des Jahres wird Herr Andreas Auer als Verwaltungsleiter von der Zentrale der Katholischen Jugendfürsorge, unserem Klinikträger, seine Arbeit in unserer Klinik beginnen. Er ist Diplom-Betriebswirt und seit Jahren an der Geschäftsstelle tätig. Beiden wünsche ich einen guten Einstieg und viel Erfolg in der weiteren Gestaltung der Klinik.

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Trägerschaft:
Katholische Jugendfürsorge
der Diözese Augsburg e. V.
Klinik Hochried
Zentrum für Kinder,
Jugendliche und Familien

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